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Ortsgeschichte Gemeinde Lübesse

Am 25. Juli 1218 tritt Lübesse, damals Lubitz genannt, zusammen mit dem Nachbarort Uelitz aus dem Dunkel der Geschichte.

 

In der seinerzeitigen Urkunde heißt es:
"Gunzelin und Heinrich, die Grafen zu Schwerin, verleihen dem Kloster Reinfeld neun Hufen in Lübesse und 20 Hufen in Uelitz".

Das Kloster Reinfeld hatte seinen Sitz in Lübeck und gelangte zu dieser Zeit zu großer Bedeutung. 1246 befreite Graf Gunzulin zu Schwerin die Leute des Klosters Reinfeld zu Lübesse und Uelitz von allen Lasten, außer der Landwehr und verlieh dem Abt die volle Gerichtsbarkeit.

 

Die weitere Entwicklung der Gemeinde als Ganzes von dieser Zeit bis in das 19. Jahrhundert ist in den Aktenbeständen des Landeshauptarchivs Schwerin sehr lückenhaft, zumal ein Brand im Hauptarchiv große Teile der Gemeindeakten unwiederbringlich vernichtete.

 

Bereits 1590 wird der Hof Ortkrug zu Lübesse genannt, als Herzog Johann VII. (1558-1592) seinem Küchenmeister Asmus Rathken den Hof verschreibt. Der Herzog, der 1585 als 27jähriger die Regierung übernehmen musste, war dieser Aufgabe nicht gewachsen (drückende Schuldenlast, Streitigkeiten), ging 1592 mit 34 Jahren in den Freitod.

 

Um ihn mit allen Ehren bestatten zu können, wurde behauptet, er sei ermordet worden. So mussten zwei unschuldige Schweriner Frauen sterben, weil sie angeblich mit dem Teufel verbündet waren, und dieser die Hand des Herzogs unsichtbar geführt hätte. Die eine Frau starb unter der Folter, die andere auf dem Scheiterhaufen.

1696 wird das sogenannte Husarenwachhaus erbaut. Im 19.Jahrhundert war Ortkrug dann ein Pachthof, der 1884 dann als Erbpachthof mit fünf Last Acker und Wiesen gebildet wurde. Die Lewitzwiesen wurden der großherzoglichen Verwaltung überwiesen. Der Rest des Ackers (11,5 Last) wurde parzelliert. Es werden dann in Ortkrug ein Erbpächter, ein Gendarmeriehaus, ein Büdner und vier Häusler genannt.

 

Leider haben wir bisher noch keine genauere Kunde aus der Zeit des 30jährigen Krieges und der Franzosenzeit. So soll in Lübesse eine Kapelle gestanden haben und die jetzige Mirower Kirche sollte einst in Lübesse errichtet werden. 1893 wurde eine Post-und Telegrafenstation eingerichtet, die dann 1993 im Zuge der sogenannten Wende aufgehoben wird, man musste nun acht km weit bis zur nächsten Post (Rastow) fahren.

In Lübesse werden im 19. Jahrhundert sieben Erbpächter, zwei Büdner und 26 Häusler geführt. 1890 hatte Lübesse 232 Einwohner. In einer Schule mit zwei Klassenräumen wurden die Schüler aus Hasenhäge, Ortkrug und Lübesse unterrichtet.

Mit dem Ende des verheerenden 2. Weltkrieges zeigte es sich sehr schnell, das die Alliierten (Amerikaner, Engländer, Russen) über den Tag hinaus keine Alliierten blieben. Schnell gewann der Antikommunismus gegen die Russen seinen alten Boden. Es gab keinen Friedensvertrag. Deutschland verlor einen Großteil seines ursprünglichen Staatsgebietes. Es wurde in Zonen aufgeteilt.

 

Die Westalliierten (Amerikaner, Engländer, Franzosen) ließen unter ihrem Diktat die wieder letzten Endes kapitalistische Bundesrepublik Deutschland (BRD) und die Russen unter ihrem Diktat die antifaschistisch-demokratische Deutsche Demokratische Republik (DDR) entstehen, aus der sich ein sozialistischer Staat entwickelte mit all seinen Konsequenzen (Tragen der Hauptlast der Reparationen, wenig natürliche Rohstoffreserven, Sozialleistungen für alle, Reformlosigkeit, Übernahme durch einen anderen deutschen Staat, u.a.).

1945 hatte Lübesse über 700 Einwohner; Flüchtlinge und Vertriebene aus Ostpreußen, Schlesien und Böhmen mussten aufgenommen werden. Die Schule wurde von bis zu 100 Schülern besucht und von zunächst zwei Lehrerinnen unterrichtet. Es entwickelte sich relativ schnell ein neues einheitliches Schulsystem, das die faschistische Ideologie zu überwinden hatte. (Die Zeit des Faschismus in unserer Gemeinde wurde bisher nur ungenügend erforscht). Zur Volkszählung vom 20.Oktober 1946 wurden noch 645 Einwohner festgestellt.

 

Diese Zahl verringerte sich in den folgenden Jahren u.a. durch den Suchdienst des DRK – Familienzusammenführung, die Gründung der DDR – Republikflucht. Durch Gründung eines örtlichen Landwirtschaftsbetriebes (ÖLB) 1952 wurden verlassene Höfe bzw. Höfe ohne männliche Arbeitskraft zusammengefasst und bewirtschaftet. 1954 wird die Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG) „Aufbau Lübesse“, Typ III gegründet, d. h. die Tierhaltung und Bodenbearbeitung werden gemeinsam durchgeführt.

 

1958 bildeten sich zwei weitere LPG’en, Typ I, d.h. die Tierhaltung ist noch individuell. Sie schließen sich 1962 der LPG „Aufbau“ an. Obwohl die Vorteile des gemeinsamen Wirtschaftens auf der Hand liegen, staatlicherseits viele Fehler gemacht werden – nicht durch Vorbildwirkung wird für die neue Form geworben, teils mit Zwang nachgeholfen. Von nun an wird das gesellschaftliche und kulturelle Leben durch diese neue Wirtschaftsform bestimmt.